Die sowjetisch-russische Fliegerei in Rechlin/Lärz

Mit dem Vorrücken der sowjetischen Armee am Morgen des 2. Mai 1945 auf Rechlin übernahm das 4. Schlachtfliegerkorps der 16. Luftarmee die Flugplätze Rechlin und Lärz, wobei 1945 in Rechlin zunächst das 164. selbständige Garde-Aufklärungs-Fliegerregiment in Rechlin und in Lärz der Stab der 196. Schlachtfliegerdivision stationiert waren. Als Aufklärer waren in Rechlin der in den 40-ziger Jahren in die UdSSR importierte amerikanische Flugzeugtyp Douglas A-20B Boston und die russische Petljakow Pe-2 beheimatet, in Lärz die Schlachtflieger des Typs Iljuschin IL-2. Während einige Bereiche der ehemaligen Erprobungsstelle u.a. für den Aufbau der Schiffswerft wieder freigegeben wurden, erfuhr Rechlin eine Teilung mitten durch den Ort. Die früher übliche Verbindung nach Rechlin Nord wurde durch eine Mauer abgeschnitten und die ehemalige Gruppe West sowie Teile der Gruppe Nord wegen ihrer Kasernen und Kommandounterkünfte für über 4000 russische Offiziere und Soldaten mit ihren Familien beider Standorte Rechlin und Lärz bis zum Abzug 1993 zur neuen Heimat.

In Rechlin selbst wurde nun zum Divisionsstab der Jagdflieger. Ihm unterstanden die Fliegereinheiten in Lärz, Groß Dölln bei Templin und Neuruppin. Umstrukturierungen innerhalb der Luftstreitkräfte führten zu mehrmaligen Umbenennungen. Bis 1952 unter der Bezeichnung 145. Jagdfliegerdivision (JFD) änderte sich ihre Bezeichnung dann in die 123. JFD bis 1956. Aus strategischen Gründen wurden danach Jagdbomber stationiert und der Stab bis zum Abzug 1993 in die 125. Jagdbombenfliegerdivision umbenannt. Sie war dem 71. Garde-Jagdfliegerkorps Wittstock und damit der 16. Luftarmee Wünsdorf direkt unterstellt. Im Jahr 1969 wurde der Standort Lärz um den Stab der Hubschrauberkräfte erweitert. Die geografisch günstige Lage und die mit 106m höchste Erhebung des „Sprottschen Berges“ bei Rechlin führten zum Aufbau einer Funkmessstellung sowie Kommunikations- und Führungseinrichtungen.

Die beiden sich kreuzenden Betonrollbahnen des Flugplatzes Lärzes, die schon vor 1945 für strahlgetriebene Flugzeuge ausreichend ausgebaut waren, ermöglichten ihre sofortige Übernahme durch die russischen Luftstreitkräfte. Neben den Instandsetzungsarbeiten wurden später Vorrollfelder und 40 der heute typischen Flugzeug-Shelter dazu gebaut. Von 1949 bis 1952 wurde in Lärz das 165. Jagdfliegerregiment zunächst mit dem Flugzeugtyp Lawotschkin La-9 und später mit der MIG-15 stationiert, welches später durch das 33.Jagdfliegerregiment abgelöst wurde, wobei als weiterer Flugzeugtyp die MIG-19 hinzukam und ab 1956 die Stabsführungskette der 125. Jagd/Jagdbomberdivision mit dem Transportflugzeug An-2. Im Jahr 1961 wurden schließlich das 19. Garde-Jagdbomberregiment mit MiG-17 und Su-7, später mit MiG-23 und MIG-27 und von 1969 bis 1987 die selbstständige 344. Hubschrauberstaffel stationiert. Diese formierte 1987 in die dritte Staffel des 439. selbstständigen Hubschrauberregiments aus Parchim um. Die Hubschrauber des Regiments (Mi-2, Mi-8, Mi-9 und Mi-24) dienten vor allgemeinen Kampf- und Gefechtsführung sowie der Feuerunterstützung der Panzerdivisionen in Neustrelitz. In den 60-ziger Jahren wurde ebenfalls ein Sonderwaffenlager für die Unterbringung von atomaren Sprengköpfen gebaut. Kurzzeitig waren auch immer wieder andere Einheiten der 16. Luftarmee in Lärz stationiert. Auch diente das ausgedehnte Areal des Flugplatzes der Verteilung verschiedener Flugzeugtypen auf andere Flugplätze innerhalb der ehemaligen DDR sowie ihrer Zusammenführung für die Rückverlegung in die GUS. Eine Kuriosität bis zum Abzug der russischen Luftwaffe aus Lärz war zweifelsfrei die notwendige Absperrung der Bundesstraße B198 in Höhe der der Start- und Landebahn, da die Jagdbomber nicht selten nur wenige Meter über der Straße einflogen.

Im März 1993, nach Einstellung des Flugbetriebes am 23. März, verließ das 19. Jagdbomberregiment der russischen Streitkräfte nach 48 Jahren sowjetisch-russischer Nutzung endgültig den Flugplatz Lärz und im Herbst auch den bisher ausgegrenzten Wohnbereich und die Kasernen in Rechlin. Im Juli fanden die letzten Materialverbringungsflüge durch An-22 und Il-76 nach Russland statt. 1994 wurde der Flugplatz Lärz wieder für die zivile Nutzung eröffnet. Die Start- und Landebahnen wurden um 300 Meter auf 2080 Meter gekürzt, die Ost-West-Landebahn sowie große Teile der ehemaligen sowjetischen Infrastruktur abgerissen. Ein Teil des Flugplatzgeländes erwarb der Verein „Kulturkosmos e.V.“ für musikalische Großveranstaltungen, der weitaus größere Teil ging an das Konsortium „Müritz-Airpark“, das sich um Überplanung und Vermarktung ihres Geländes kümmert.

Öffungszeiten
April bis Oktober
täglich 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Ostern
Fr bis Mo 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Februar bis März
Mo bis Do 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Freitag 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
Letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließung. Gruppenführungen führen wir nach Anmeldung durch.
Hunde dürfen ins Museum.

Erwachsene (ab 16) 8,- €
Kinder 3,- €
Familie
(2 Erwachsene, 2 – 5 Kinder) 20,- €
Schwerbehinderte 5,- €
Hund 1,- €
Gruppen (ab 10 Personen)
Erwachsene 7,- €
Führungen 40,- €

Die "Rechliner Mauer"

Unmittelbar nach dem Abzug der russischen Streitkräfte (WGSSD - Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) wurde auf Beschluss der Gemeinde Rechlin im Bereich der Fritz-Reuter-Straße ein ca. 80m langes Teilstück der sogenannten "Rechliner Mauer" im Originalzustand der Nachwelt erhalten.

Diese Mauer in einer Gesamtlänge von ca. 2,5 km, Anfang der 50er Jahre zunächst als Holzwall errichtet, teilte mehr als 40 Jahre lang den Ort Rechlin in den "Russensektor" und den südlichen deutschen Teil, in dem jedoch Infrastruktureinrichtungen nahezu vollkommen fehlten. „Sektor“ und Siedlung Rechlin blieben bis zum Abzug der sowjetischen Truppen 1993 durch diese Mauer voneinander getrennt. Während die Berliner Mauer als Ergebnis der friedlichen Revolution im November 1989 fiel, teilte die Rechliner Mauer den Ort noch 3 weitere Jahre bis zum endgültigen Abzug der Truppen im August 1993.

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