75. Jahrestag der Befreiung des KZ Retzow

am 2. Mai 1945 durch die Rote Armee

Gedenkstätte Retzow

Gedenkstätte Retzow

Es war der 2. Mai 1945 gegen 06:30 Uhr; eine Vorhut der Roten Armee erreichte nach dem Sieg der 4. Luftarmee über den Fliegerstandort und die Erprobungsstelle Rechlin-Lärz den Ort Retzow. Sie befreiten die noch 71 überlebenden und zurückgebliebenen Frauen aus dem KZ – einem Außenlager des KZ Ravensbrück. 56 weibliche Leichen wurden in der Krankenbaracke aufgefunden.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Außenlagers in Retzow, in Mahnung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus und im Gedenken an die in den Konzentrationslagern umgekommenen Häftlinge hat die Gemeinde Rechlin schon 2019 die würdevolle Wiederherrichtung der Gedenkstätte beschlossen und pünktlich zum 2. Mai 2020 mit großer finanzieller Unterstützung des Landes MV abgeschlossen. In einem Festakt der Gemeinde sollte am 2. Mai derer gedacht werden, die hier in Retzow während des Krieges unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht und in täglicher mühevoller Arbeit bis zum Tod geschunden wurden. Leider musste die Veranstaltung aufgrund der Virus-Pandemie abgesagt werden. Doch dieser Tag ist nicht vergessen und wird, wenn es die gesetzlichen Regelungen zulassen, in Würde nachgeholt.

Wir erinnern:

12 Baracken mit Küche und Aufbewahrungsräumen, ein Heizwerk, ein „Kinosaal“, Feuerlöschteich und Appellplatz des ehemaligen Reichsarbeitsdienstes RAD wurden 1942/1943 zu einem KZ umfunktioniert. Die vier zur Hauptstraße gerichteten Baracken waren als Unterkünfte für SS-Wachmannschaften reserviert worden. Die Sicherung des Lagers wurde vorwiegend über einen vier Meter hohen Stacheldrahtzaun mit Starkstrom umsäumt und von vier Wachtürmen bzw. später Schützenbunkern übernommen.

 Im Frühsommer 1943 wurde dieses Lager mit Männern aus Ravensbrück belegt (ca. 1.200-2.000 Mann). Diese Männer wurden zum größten Teil bei Erdarbeiten auf dem Lärzer Flugplatz eingesetzt. Sie wurden mit roher Gewalt zur Arbeit angetrieben. Der Arbeitstag ging zehn bis zwölf Stunden. Kies aus einer Kotzower Kiesgrube wurde mittels Feldbahnen nach Lärz und Rechlin transportiert. Die Einsatzfähigkeit der Start- und Landebahnen nach Luftangriffen sollte gewährleistet werden. Als Wachmannschaft wurden Soldaten des Technischen Bataillons der Erprobungsstelle Rechlin eingesetzt.

Ab Januar 1945 erfolgte die Belegung mit Frauen aus dem KZ Ravensbrück. Die Belegungsstärke schwankte zwischen 1300-3000 Personen. Die Bewachung erfolgte durch Aufseherinnen des KZ Ravensbrück. Sogenannte lebensunfähige Frauen, die der körperlichen Schwerstarbeit nicht mehr gewachsen waren, wurden nach Ravensbrück zurückgebracht und dort getötet. Die sanitären Verhältnisse wurden innerhalb kürzester Zeit katastrophal. Es brach Typhus aus; bald konnten sich die Frauen vor Ungeziefer aller Art nicht mehr retten und ein Massensterben begann. Zunächst in wenigen Einzelgräbern wurden die Toten kurz darauf in Massengräbern beigesetzt und später in Schützengräben am Ausgang des Parks nach Mirow, verscharrt. Den Tag der Befreiung am 2. Mai 1945 erlebten nur noch 71 Frauen.

Kiesgrube Kotzow  weibliche KZ-Häftlinge beim Ausbau des Flugplatzes Lärz

Mahn- und Gedenkstätte Retzow

1950 wurden aus Massengräbern in Retzow geborgene Leichen in Schwerin eingeäschert und am Kietz in Waren beigesetzt, woran heute ein Gedenkstein an 224 ermordete Häftlinge in Retzow erinnert.

1980 ist in Retzow eine Fläche von 40x40m, einbezogen ein Wachbunker des ehemaligen KZ, als Gedenkstätte gestaltet und von Lehrlingen der LPG Retzow-Boek gepflegt worden.

1984 wurde auf dem ehemaligen KZ-Gelände ein weiteres Massengrab in der Nähe des bereits 1950 entdeckten gefunden. Die Leichnamen wurden in der Gruft der Familie Hammerstein umgebettet.

1998/1999 haben ausländische Studenten innerhalb eines Workcamps Fundamente freigelegt und einen Gedenkpfad eingerichtet. Dies geschah auf Initiative der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

2000 erfolgte die Einweihung der Mahn- und Gedenkstätte in Anwesenheit von Johanna Krause, einer ehemaligen Insassin.

2020 konnte die Gemeinde Rechlin mit Unterstützung aus Mitteln des Strategiefonds und der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern und in Zusammenarbeit mit der RAA Mecklenburg-Vorpommern, der Mahn und Gedenkstätte Ravensbrück sowie dem Luftfahrttechnischen Museum Rechlin dem Gedenkort Retzow ein neues Gesicht geben.

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Öffungszeiten
April bis Oktober
täglich 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Ostern
Fr bis Mo 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Februar bis März
Mo bis Do 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Freitag 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
Letzter Einlass jeweils 30 Minuten vor Schließung. Gruppenführungen führen wir nach Anmeldung durch.
Hunde dürfen ins Museum.

Erwachsene (ab 16) 8,- €
Kinder 3,- €
Familie
(2 Erwachsene, 2 – 5 Kinder) 20,- €
Schwerbehinderte 5,- €
Hund 1,- €
Gruppen (ab 10 Personen)
Erwachsene 7,- €
Führungen 40,- €